Es hat Hobbyisten schon immer gereizt, Dinge zu benutzen, die schon lange nicht mehr auf dem Stand der Technik sind. Autos von vor 1960, Radios aus den 50-igern, alte Fotoapparate sind Beispiele dafür. Meistens sind diese Geräte sehr viel einfacher und robuster konstruiert, leichter zu durchschauen und konzentrieren sich auf das Wesentliche.
Das gilt auch für Computer und jetzt bin ich diesem Hobby verfallen: beim Aufräumen fand ich meinen alten Compaq Aero wieder. Ich hatte ihn 1995 gekauft. Nach relativ kurzen Gebrauch lag er jahrelang zwischen Kabeln und alten Zeitschriften versteckt. Beim ersten Einschalten bootete ganz gemächlich ein altes Windows 95.
Eine 33MHz CPU gibt sich alle Mühe, die 12 MByte Hauptspeicher mit Daten von der 250 MB-Platte zu füllen. Im Vergleich zu heutigen Leistungsdaten ist das ein Witz: Notebooks sind heute 75 mal schneller, haben 50 mal mehr RAM und mehr als 100 fachen Plattenplatz.
Aber: der Aero ist schön handlich, mit guter Tastatur und immerhin einem - im Vergleich zum Handy - großen Farbschirm. Überhaupt muß man den Aero heutzutage eher mit einem Handy oder PDA vergleichen, statt mit einem ausgewachsenen Notebook, und dabei schneidet er nicht schlecht ab.
Als ich in letzter Zeit im Wohnmobil unterwegs war, habe ich mir über ein seriell angeschlossenes Handy meine emails auf den Aero geholt - das ist allemal ergonomischer als auf den Handy-Tasten rumzuklimpern und die mails über das winzige Display zu scrollen.
Inzwischen ist ein BasicLinux installiert und ich bin am Programmieren von Yahoo-Messenger und eigenem IMAPEmailClient. Alles in Java als klassische Konsolenprogramme, die ausreichend schnell laufen, wenn sie erst einmal hochgefahren sind.
Das ist wohl wie mit Oldtimer-Autos: wenn sie erst mal in Fahrt sind, ist der Unterschied zu den heutigen PS-Geschossen nicht mehr so groß.